Mittwoch, 14. September 2016

Arosa Trail Run - Ein kleiner, aber ultrafeiner Lauf


Video vom Lauf


Wie herrlich ist es, im Startgelände anzukommen und ohne Wartezeiten und Schlange stehen seine Nummer zu lösen und nachher mit den Organisatoren an einem Tisch zu hocken und zu plaudern.
 

Es sollte ja alles auf einen schönen Lauf bei herrlichem Wetter hinauslaufen. Vielleicht am Abend lokale Gewitter, doch bis dann sollte ich längst zurück sein vom Lauf mit 53 Kilometern und 3‘400 Höhenmetern. Start war um 07.30 Uhr und ich rechnete mir eine Laufzeit von um die 10 Stunden aus.

Ja, wenn in der Praxis beim Laufen nur alles so zuverlässig wäre, wie die theoretische Rechnerei vor dem Lauf.

Am Abend gab es im Hotel eine Gemüsepfanne, die ich mir schmecken liess, bis mir in den Sinn kam, dass es nicht optimal war, am Vorabend gegrilltes Gemüse mit viel Zwiebeln zu sich zu nehmen. Aber da war die halbe Pfanne schon leer. Überraschend fand mich Dani von der Trainingsgruppe Freienstein im Speisesaal, er hatte sich für den AT22 angemeldet.

Früh zu Bett und nach einer durchzogenen Nacht nahm ich um halb sechs ein paar Maiswaffeln mit Mandelmus zu mir. Das hatte sich schon mehrfach bewährt, dazu schaute ich mir zeitverzögert den Halbfinal mit Wawrinka auf dem Tablet an.

Dani war um sieben Uhr am früh stücken, ich grüsste ihn kurz und auf dem Weg zum Startgelände traf ich Manfred, der nach dem Eiger Lauf, wo er den 35er lief, in Arosa seinen ersten Ultra bestreiten wollte.
 

 Im Startgelände traf ich dann Stefan. Kennengelernt hatte ich ihn 2012 am „The Wayve“, 111km rund um den Zürichsee und wir sind uns immer wieder am Irontrail begegnet in den Jahren 2014 bis 2016. Er hat, trotz Krisen, bereits dreimal die Maximaldistanz von 200km geschafft.


Wir liefen zusammen los mit den paar wenigen, die dort waren, vielleicht achtzig Leuten. Unglaublich, dieser Lauf hätte das zehnfache verdient. Wenn die Organisatoren so weitermachen, werden sie das in ein paar Jahren auch erreichen.

Der Lauf ist so wunderschön und abgesehen von ein paar hundert Metern Asphalt ist man immer auf Wanderwegen unterwegs und das meiste sind wunderbare Trails. Und so viel gerannt wie an diesem Lauf bin ich an noch keinem Trailrun.
 

Mit Stefan lief ich bis zum Weisshorn, dort gab es Verpflegung.
 
 
Als ich ihn beim Downhill von der Seite filmen wollte, lief ich ins Gras, das noch nass war, prompt fiel ich hin, sogar zweimal. Bis ich mich wieder gebüschelt hatte, war Stefan schon weit unten. Erst beim Hörnli holte ich ihn wieder ein, nachdem wir von einer Drohne noch gefilmt worden waren.

 Der Film war bereits am Sonntag online. Da kann ich nur sagen: Bei meinen Filmen gibt es noch viel Luft nach oben.

Er zog wieder davon, kein Wunder ist er am Irontrail um Stunden schneller als ich.

Eine wunderschöne Strecke war das vor Arosa, an blaugrünen Seen vorbei, grünen Wiesen und freundlichen Streckenposten.

Vor Arosa traf ich wieder auf Stefan und zusammen liefen wir durchs Ziel und zogen los in die zweite Runde auf die andere Talseite.

Bis Stefan mich fragte, ob ich nicht Stöcke gehabt habe. Mist, die hatte ich am Posten liegen gelassen, also nochmals drei, vier Minuten zurücklaufen. Stefan sollte ich nicht mehr antreffen, er war schlussendlich auch eine halbe Stunde früher im Ziel.

 




Jetzt ging es nach dem Weisshorn gleich zu Beginn das zweite Mal richtig hoch zur Maienfelder Furgga. Hier begann meine Krise, es war heiss und wir waren voll der Sonne ausgesetzt. Und ich wollte Cola erst beim Verpflegungsposten zu mir nehmen. Doch es wurde nicht besser, ich hatte keine Kraft mehr und überhaupt keine Lust, etwas zu essen.

Bis zum Weisshorn hatte ich pflichtbewusst meine Dattel gegessen und bis zum Hörnli auch schon zwei Kartoffeln.

Jetzt war ich schon bald fünf Stunden unterwegs und musste wieder etwas zu mir nehmen. Ich trank mein Cola/Wassergemisch und lief weiter. Es wurde aber nicht besser. Irgendwann muss es besser werden.
 

Beim Verpflegungsposten auf der Maienfelder Furgga zwang ich mich, Nuss-Stängeli zu essen. Eine Empfehlung eines Arztes, hat Kohlenhydrate, Eiweiss und Fett. Ich lief los und fragte mich wieder mal, wieso ich nicht Golf spiele.

Etwa zwanzig Minuten später kam die Energie im Blut an, der Motor fing wieder an zu laufen, der Kopf wurde frei, kein Schwindel mehr und so sollte es bis zum Schluss bleiben. Immer wieder Cola/Wasser und diese Nuss-Stängel.


Dafür bekam ich nun Krämpfe, etwas, das ich sonst nicht kenne an einem Lauf. Am Oberschenkel und an der Wade. Ja, das ganze Bein verkrampfte sich. Mit vorsichtigem Weiterlaufen wurde ich diese wieder los.

Ich hatte mich so spontan für den Lauf entschieden, dass ich meinen Magnesium Bestand in den Tagen zuvor nicht aufgestockt hatte. Experten sagen zwar, dass solche Nahrungsergänzungen nur den Urin verteuern, aber ich werde das nächste Mal wieder zwei, drei Tage vorher das Pulver zu mir nehmen.

Ich traf auf Thomas und wir packten zusammen die zwei zusätzlichen Gipfel. Es war ein auf und ab.

 


Jetzt wusste ich wieder, wieso ich nicht Golf spiele. Mit Golf kommt man nie zur Chorbschhorn-Hütte und schaut rauf zum Chorbschhorn.


Und kämpft sich dann hoch und bewundert die Aussicht, die das Chorbschhorn bietet, nimmt einen Schluck und läuft dann vom Chorbschhorn (ich finde den Namen wunderbar) zum Strela Pass.

Und der Strela Pass kommt und kommt nicht.
 


Thomas hatte nun Probleme und blieb zurück, mit Christa lief ich nun bis kurz vor Arosa. Sie schneller hinauf, ich schneller hinab, so trafen wir immer wieder auf einander.

Und es ging, nachdem es vom Strelapass steil hinunter ging nach Jatz, wieder zügig hinauf bis nach Medergen. Das kenn ich ja alles vom Irontrail, nur lief ich es dieses Mal in die andere Richtung.

Ich hab sonst schon ein schlechtes Gedächtnis was Trails betrifft und bin beim dritten Mal an einem Wettkampf noch überrascht, dass es wieder hinaufgeht, wo es in meiner Erinnerung doch flach hätte sein sollen. Dann versag ich erst recht kläglich, wenn es in die andere Richtung geht.

In Jatz nochmals verpflegt mit Bouillon, Cola/Wasser und Nuss-Stängeli. Keine Riegel und keine Gels.
 
Weiter unten sah ich Thomas in seinem gelben T-Shirt, weiter oben Christa.

 


Es wurde dunkler am Himmel. Donner ist zu hören, aber keine Blitze zu sehen. Mit Christa machte ich mich nach dem Weiler nach Medergen auf den Abstieg nach Arosa.


Ein wunderbarer Pfad, herrlichst zu laufen. Doch es wurde immer dunkler, jetzt waren auch Blitze zu sehen, der Donner kam aber ziemlich verzögert.
 
Ich liess es jetzt laufen und verabschiedete mich von Christa. Jetzt war ich wieder ein Bub, der von der Schule nach Hause rennt und sich auf’s Mittagessen und den freien Nachmittag freut.
 
Beim Stausee begann es zu regnen. Als ich die ersten Häuser von Arosa erreiche, leerte es aus Kübeln. Ich stand kurz unter, begann aber bald zu frieren, und lief dann wieder los.

 
Im Ziel war niemand zu sehen, der Speaker kündigte mich an und schon kamen ein paar Leute aus dem Zelt.

 


Ich hatte es geschafft und dafür über 11 Stunden gebraucht. Es ist mir ein Rätsel, wo ich so viel Zeit gebraucht habe.

Ich war bis auf die Krise rauf zur Maienfelder Furgga zügig unterwegs und ich konnte auch sehr viele Strecken im Laufschritt absolvieren. Aber egal, Hauptsache angekommen.
 

Jetzt gilt es nur noch, allen Organisatoren und Helfern zu danken und mit viel Mundpropaganda und Berichten dafür zu sorgen, dass sich die Läuferzahlen alle Jahre verdoppeln.
 
Wir sehen uns alle wieder, nächstes Jahr im September in Arosa zum Arosa Trail Run.

 


Anzahl Startnummern:  93
Anzahl Finisher:            67
Bestzeit Frauen:            7 Stunden 20 Minuten
Bestzeit Herren:            6 Stunden 18 Minuten


Video vom Lauf

 

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